Hafis
Hafis, geboren um 1325 als Schams ad-Din Muhammad in Schiras, verließ seine Stadt zeitlebens kaum. Aus armer Familie, arbeitete er als Knabe in einer Bäckerei, während er eifrig lernte, und konnte den ganzen Koran auswendig; der Name Hafis bedeutet „der den Koran im Gedächtnis bewahrt“. Er diente zeitweise am Hof und erlebte die unruhigen Jahre, in denen Schiras immer wieder den Herrscher wechselte. Seine Ghaselen preisen Wein, Liebe und die Freiheit des Geistes und verspotten religiöse Heuchelei; sie gelten als Gipfel der persischen Lyrik. Bis heute besitzt fast jeder iranische Haushalt seinen Diwan, und man schlägt ihn oft aufs Geratewohl auf, um aus den Versen ein Omen zu lesen. Im Alter wurde Goethe so von ihm ergriffen, dass er seinen West-östlichen Divan schrieb.