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Buch V · Gongye Chang

5.1–28

5.1

Der Meister sagte von Gongye Chang: „Man kann ihm eine Frau geben. Obwohl er in Fesseln lag, war es nicht seine Schuld.“ Und er gab ihm seine eigene Tochter zur Frau.

5.2

Der Meister sagte von Nan Rong: „Herrscht im Staat der Weg, so wird er nicht übergangen; herrscht im Staat nicht der Weg, so entgeht er Strafe und Tod.“ Und er gab ihm die Tochter seines älteren Bruders zur Frau.

5.3

Der Meister sagte von Zijian: „Ein Edler fürwahr ist dieser Mann! Gäbe es in Lu keine Edlen, woher hätte er dies?“

5.4

Zigong fragte: „Was hältst du von mir?“ Der Meister sprach: „Du bist ein Gerät.“ „Was für ein Gerät?“ „Ein Opfergefäß aus Jade.“1

5.5

Jemand sagte: „Yong ist menschlich, aber nicht redegewandt.“ Der Meister sprach: „Wozu Redegewandtheit? Wer anderen mit flinker Zunge begegnet, macht sich oft verhasst. Ich weiß nicht, ob er menschlich ist, aber wozu Redegewandtheit?“

5.6

Der Meister drängte Qidiao Kai, ein Amt anzunehmen. Er antwortete: „Darin habe ich noch kein Vertrauen zu mir.“ Der Meister freute sich.

5.7

Der Meister sprach: „Der Weg setzt sich nicht durch. Ich werde ein Floß besteigen und aufs Meer hinaustreiben. Wer mir folgen würde, das wäre wohl You!“ Zilu hörte es und freute sich. Der Meister sprach: „You liebt das Wagnis mehr als ich, aber er weiß nicht, wo er das Holz hernehmen soll.“

5.8

Meng Wubo fragte: „Ist Zilu menschlich?“ Der Meister sprach: „Ich weiß es nicht.“ Er fragte noch einmal. Der Meister sprach: „You könnte man die Heeresaushebung eines Staates von tausend Kriegswagen anvertrauen; aber ich weiß nicht, ob er menschlich ist.“ „Und Qiu?“ Der Meister sprach: „Qiu könnte man zum Verwalter einer Stadt von tausend Familien oder eines Adelshauses von hundert Kriegswagen machen; aber ich weiß nicht, ob er menschlich ist.“ „Und Chi?“ Der Meister sprach: „Chi, mit seiner Schärpe gegürtet bei Hofe stehend, könnte man verwenden, um mit Besuchern und Gästen zu sprechen; aber ich weiß nicht, ob er menschlich ist.“

5.9

Der Meister sprach zu Zigong: „Wer ist besser, du oder Hui?“ Er antwortete: „Wie dürfte ich mich mit Hui vergleichen? Hui hört eines und weiß daraus zehn. Ich höre eines und weiß daraus zwei.“ Der Meister sprach: „Du kommst ihm nicht gleich. Weder du noch ich kommen ihm gleich.“

5.10

Zai Yu schlief am Tage. Der Meister sprach: „Morsches Holz lässt sich nicht schnitzen, eine Mauer aus Dung lässt sich nicht verputzen. Was soll ich Yu tadeln?“ Der Meister sprach: „Früher hörte ich auf die Worte der Menschen und vertraute auf ihr Handeln. Jetzt höre ich auf ihre Worte und beobachte ihr Handeln. Yu hat mich dazu gebracht, mich zu ändern.“

5.11

Der Meister sprach: „Ich habe noch keinen wahrhaft Festen gesehen.“ Jemand erwiderte: „Shen Cheng.“ Der Meister sprach: „Cheng ist voller Begierden. Wie könnte er fest sein?“

5.12

Zigong sprach: „Was ich nicht will, dass andere mir antun, das will ich auch anderen nicht antun.“ Der Meister sprach: „Ci, so weit bist du noch nicht.“

5.13

Zigong sprach: „Die gebildeten Worte des Meisters kann man zu hören bekommen; doch seine Worte über die menschliche Natur und den Weg des Himmels kann man nicht zu hören bekommen.“

5.14

Wenn Zilu etwas gehört hatte und es noch nicht in die Tat umsetzen konnte, fürchtete er nur, noch etwas zu hören.

5.15

Zigong fragte: „Warum gab man Kong Wenzi den Namen ‚Wen‘, der Gebildete?“ Der Meister sprach: „Er war rasch und lernbegierig und schämte sich nicht, Niedrigere zu fragen. Darum nannte man ihn ‚Wen‘.“

5.16

Der Meister sagte von Zichan: „Er hatte vier Eigenschaften vom Weg des Edlen: In seinem eigenen Verhalten war er höflich; im Dienst an seinen Oberen war er ehrerbietig; in der Versorgung des Volkes war er gütig; in der Verwendung des Volkes war er gerecht.“

5.17

Der Meister sprach: „Yan Pingzhong verstand es, Freundschaften zu pflegen: Wie lange er jemanden auch kannte, er behandelte ihn stets mit Achtung.“

5.18

Der Meister sprach: „Zang Wenzhong hielt eine große Schildkröte in einer Halle mit Bergen an den Kapitellen und Wasserpflanzen auf den Balken.2 Wie kann man ihn weise nennen?“

5.19

Zizhang fragte: „Ziwen, der Kanzler von Chu, wurde dreimal zum Kanzler ernannt und zeigte keine Freude; dreimal wurde er abgesetzt und zeigte keinen Groll. Stets unterrichtete er den neuen Kanzler über die Geschäfte des alten. Was hältst du von ihm?“ Der Meister sprach: „Er war treu.“ „War er menschlich?“ „Ich weiß es nicht. Wie könnte man ihn menschlich nennen?“ „Als Meister Cui den Fürsten von Qi ermordete, ließ Chen Wenzi, der vierzig Pferde besaß, sie zurück und verließ den Staat. In einem anderen Staat angelangt, sagte er: ‚Sie sind wie unser Minister, Meister Cui‘, und ging fort. In noch einem anderen Staat angelangt, sagte er wieder: ‚Sie sind wie unser Minister, Meister Cui‘, und ging fort. Was hältst du von ihm?“ Der Meister sprach: „Er war rein.“ „War er menschlich?“ „Ich weiß es nicht. Wie könnte man ihn menschlich nennen?“

5.20

Ji Wenzi dachte dreimal nach, bevor er handelte. Als der Meister davon hörte, sprach er: „Zweimal genügt.“

5.21

Der Meister sprach: „Ning Wuzi war weise, wenn im Staat der Weg herrschte, und töricht, wenn im Staat nicht der Weg herrschte. Seiner Weisheit kann man gleichkommen; seiner Torheit kann man nicht gleichkommen.“

5.22

Als der Meister in Chen war, sprach er: „Lasst uns heimkehren! Lasst uns heimkehren! Die jungen Leute meiner Schule sind ehrgeizig und ungestüm; sie haben ein prächtiges Muster gewoben, doch sie wissen nicht, wie man es zuschneidet.“

5.23

Der Meister sprach: „Bo Yi und Shu Qi trugen vergangenes Unrecht nicht nach; darum gab es wenig Groll gegen sie.“

5.24

Der Meister sprach: „Wer sagt, Weisheng Gao sei aufrichtig? Als jemand ihn um Essig bat, erbettelte er ihn bei einem Nachbarn und gab ihn als seinen eigenen.“

5.25

Der Meister sprach: „Geschickte Worte, eine gefällige Miene, übertriebene Ehrerbietung – Zuoqiu Ming schämte sich dessen, und auch ich schäme mich dessen. Den Groll verbergen und sich mit dem anfreunden, gegen den man ihn hegt – Zuoqiu Ming schämte sich dessen, und auch ich schäme mich dessen.“

5.26

Yan Yuan und Ji Lu standen ihm zur Seite. Der Meister sprach: „Warum sagt mir nicht jeder, was sein Herz begehrt?“ Zilu sprach: „Ich möchte meine Wagen und Pferde, meine Kleider und Pelze mit meinen Freunden teilen und es nicht bedauern, wenn sie sie abnutzen.“ Yan Yuan sprach: „Ich möchte mich meiner Vorzüge nicht rühmen und meine Mühen nicht zur Schau stellen.“ Zilu sprach: „Wir möchten hören, was dein Herz begehrt, Meister.“ Der Meister sprach: „Den Alten Ruhe geben, den Freunden vertrauenswürdig sein, von den Jungen geliebt werden.“

5.27

Der Meister sprach: „Es ist hoffnungslos! Ich habe noch keinen getroffen, der seine eigenen Fehler sehen und sich im Inneren selbst anklagen kann.“

5.28

Der Meister sprach: „In einem Weiler von zehn Familien gibt es gewiss Leute, die so treu und zuverlässig sind wie ich, aber keinen, der das Lernen so liebt wie ich.“

  1. Das hulian, ein reich verziertes Gefäß, das im Ahnentempel das Opferkorn aufnahm: zwar ein Gerät, aber von der kostbarsten Art. Vgl. 2.12. ↩
  2. Die Schildkröte, die der Weissagung diente, war Vorrecht der Herrscher, und solcher Schmuck gehörte in den Tempel des Himmelssohnes. ↩